Durch den 150 Mio. Euro Kredit, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau der insolventen Air Berlin zur Verfügung gestellt hat, kann der Betrieb der Airline bis Ende Oktober gesichert werden. Das teilt die Fluggesellschaft mit. Trotzdem werden jetzt schon die Langtreckenflüge sowie einige innderdeutsche Verbindungen nach und nach eingestellt.

Um den Betrieb der maroden Fluggesellschaft bis zum Ende der Sommerflugplanperiode gewährleisten zu können, ist der Kredit mit dem Bund als Bürgen Voraussetzung gewesen. Ein Teil ist auch bereits beansprucht worden, wie der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus zugibt. Und im gleichen Atemzug: Ein erheblicher Teil ist aber noch da.

Air Berlin: Großer Schaden durch Piltoten-Aktion

Was Air Berlin Kebekus zu Folge jetzt aber gar nicht mehr gebrauchen kann, sind weitere plötzliche Krankheitsfälle. Die durch die Piloten verusachten Flugausfälle hätten einen siebenstelligen Betrag gekostet. Viele Air Berlin-Piloten hatten sich nach Bekanntwerden der Insolvenz zeitgleich krank gemeldet und damit zu massiven Beeinträchtigungen geführt. “ Solche Aktionen gefährden den Verkauf von Air Berlin“, betont Kebekus. Es ist nun von „existenzieller Bedeutung“, dass der Betrieb uneingeschränkt weiter geht.

Eigentümer holen Jets zurück

Ganz ist dies jedoch nicht möglich. Die von Air Berlin geleasten Flugzeuge werden von ihren Eigentümern zurückgeholt. Dabei handelt es sich um zehn Langstreckenflugzeuge und sieben Airbus A-320. Dies hat zur Folge, dass Air Berlin die Interkontinentalflüge bis Mitte Oktober vollständig einstellt. Auch zwei innerdeutsche Verbindungen wird es schon am kommenden Wochenende nicht mehr geben: Zwischen Köln und München und Hamburg und München werden ab 29. September keine rot-weißen Jets mehr fliegen.

Der Verkaufsrennen um Air Berlin sind noch wie erwartet die Lufthansa und Easyjet im Rennen. Die Gebote sind sachlich fundiert und finanziell besser gewesen, begründet Kebekus. Außerdem seien beide Bieter bereit, zumindest das Gros der Mitarbeiter von Air Berlin zu übernehmen. Wie genau die Verkaufspakete aussehen, ist derzeit noch nicht bekannt.

Alle wollen die Slots von Air Berlin

Streitpunkt sind dabei vor allen die Airport-Slots. Darunter versteht man die Zeitnischen, in denen eine Fluggesellschaft an einem Flughafen starten und landen darf. Je mehr Slots eine Gesellschaft hat, um so mehr Maschinen können den jeweiligen Flughafen anfliegen. Slots dienen dazu, die vorhandenen Kapazitäten an viel frequentierten Flughäfen zu koordinieren. In Deutschland sind dies neben Berlin Tegel, dem Heimatflughafen von Air Berlin, auch Frankfurt a. M., München, Düsseldorf und Stuttgart.

Neben den Slots hat Lufthansa bereits großes Interesse an der Ferienfluggesellschaft Niki, der Regional-Airline LG Walter sowie 51 Airbus A-320 bekundet.

Entscheidung muss bald fallen

Eine endgültige Entscheidung muss laut Kebekus sehr bald fallen. Er deutet auch an, dass sich die Käufer auf eine Übergangsfinanzierung einstellen müssen. Als Grund nannte er die kartellrechtliche Prüfung des Verkaufs durch die EU-Kommission. Erst wenn diese abgeschlossen sei, könnten die jeweiligen Betriebsteile an den neuen Eigentümer übergehen. Um den Betrieb aber auch mit Beginn des neuen Winterflugplans aufrecht erhalten zu können, werde eine Vorfinanzierung nötig werden.